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Die Handelsstadt und das Champa-Reich

Hoi An - My Son - Hué

overcast 26 °C
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Nachdem wir uns von der anstrengenden Nachtbusfahrt erholt hatten, erkundeten wir das kleine Städtchen Hoi An. Wir verliebten uns sofort in die kleinen Gässchen mit den chinesischen, japanischen, vietnamesischen und französischen Einflüssen.

Die bemerkenswertesten Gebäude sind die 200 Jahre alten Wohnhäuser wohlhabender chinesischer Kaufleute, deren Nachfahren noch heute inmitten faszinierender Antiquitäten leben. Wir haben eines davon besucht, nämlich das Tran Duong Kaufmannshaus. Duong (Vorname) Tran (Familienname) ist 61 Jahre alt und pensionierter Mathematiklehrer. Als wir vor seinem Haus anhielten, lud er uns mit einer einladenden Geste in sein Haus ein. Nachdem wir eingetreten waren, schloss er die Tür ab, denn so habe er genügend Zeit und Ruhe für uns. In einer Mischung aus Französisch (die Schweizer reden ja schliesslich französisch) und Englisch schilderte er uns bei vietnamesischem Tee die Geschichte seiner Familie und zeigte uns anschliessend verschiedene antike Möbel.

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Neben den Kaufmannshäusern ist Hoi An auch berühmt für seine Schneidereien. Und so konnten wir es uns nicht verkneifen, massgeschneiderte Kleider anfertigen zu lassen. Mit dem Hintergedanken an den kommenden Winter in der Schweiz liessen wir uns beide einen dicken Wintermantel schneidern. Dazu kamen noch einige Hemden und ein Anzug. Es war ein völlig neues Gefühl, mal nicht durch die Regale von H&M zu stöbern, sondern in Katalogen Stoffe und Modelle auszusuchen. Nach dem Massnehmen probierten wir in regelmässigen Abständen unsere Schmuckstücke an und liessen noch kleine Änderungen vornehmen. Bis sie piccobello passten!

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Wir hatten das Glück, dass wir das allmonatliche Vollmondfest in Hoi An miterleben konnten. Für wenige Stunden wurden die Strassen des Stadtzentrums als Fussgängerzone erklärt und für den Verkehr gesperrt (so mussten sich die Vietnamesen für einmal von ihrem geliebten Motorrad trennen). Zudem wurde die gesamte Strassenbeleuchtung ausgeschaltet und nur noch die verschiedenfarbigen Lampen, mehr Lampione, beleuchteten die Strassen. Im Fluss schwammen farbige Lichter und auf Booten sangen (besser quitschten) Einheimische vietnamesische Musik. Es war spannend, die mit Essenständen und Menschen gefüllten Strassen entlang zu schlendern und dem Treiben zuzuschauen.

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40km südwestlich von Hoi An liegen die Ausgrabungen von My Son [Mi Son]. Diese Ruien wurden im 19. Jahrhundert von französischen Archeologen entdeckt und frei gelegt. My Son war einst das spirituelle Zentrum des Königreiches Champa. Dieses Reich herrschte 1400 Jahre im heutigen Zentral- und Südvietnam. Durch die enge Nachbarschaft zu den Khmer im Süden und den Dai Viet im Norden kam es immer wieder zu Kriegen. Durch die Expansion der Vietnamesen wurden die Cham immer weiter nach Süden verdrängt, bis sie im 15. Jahrhundert endgültig von den Viet annektiert wurden. Das ursprünglich aus Indonesien stammende Cham-Volk lebt noch heute als islamische Minderheitsgruppe (110'000 Menschen) in den südlichen Provinzen Vietnams. Durch den Seehandel mit Indien hielt vorübergehend der Hinduismus Einzug in die Cham-Kultur. Daher sind die Tempel der heiligen Stätte Shiva, Vishnu und Brahma geweiht. Im Mittelpunkt eines typischen Tempelkomplexes steht das Sanktuarium, nämlich der Kalan. Dieser enthält einen Lingam, die phallische Darstellung Shivas, welcher sich auf einem Sockel (weibliches Symbol) befindet, der mit Rinnen versehen ist, damit bei den Riten heiliges Wasser und Blut ablaufen konnte. Es wird erzählt, dass die Umarmung des Lingam dem Mann besondere Kräfte verleihe.
Die Tempel sind in mehreren Gruppen über ein weitläufiges Areal verteilt. Durch die Bewaldung und den Vietnamkrieg wurde dieses UNESCO-Kulturerbe stark in Mitleidenschaft gezogen. Vor allem die B52-Bomben hinterliessen tiefe Spuren. Und dennoch ist es faszinierend, die hochentwickelte und schön verzierte Mauerkunst der Cham zu bewundern - anstelle von Mörtel verwendeten sie ein Harz, das sie mit gemahlenen Weichtierschalen und zerschlagenen Ziegeln mischten und das lediglich haarfeine Fugen zwischen den einzelnen Schichten hinterliess.

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Mit Müh und Not haben wir unsere mit neuen Kleidern vollgestopften Rucksäcke doch noch schliessen können. Die Sightseeingbusfahrt nach Hué wurde uns mit Stopps bei den Marble Mountains und auf dem Wolkenpass (soll grossartige Ausblicke eröffnen) angepriesen. Der Stopp bei den Marble Mountains entputppte sich als 15 minütiger Shoppinghalt, so dass wir uns die Höhlen aus zeitgründen nicht ansehen konnten. Und anstatt über den wunderschönen Wolkenpass fuhren wir kurzum durch den neuen Strassentunnel durch den Berg, super...
Aber wir sind trotz Frust gut in Hué angekommen und auch herzlich von den Touristenjägern empfangen worden - jeder hatte natürlich das neuste und schönste Hotel zu bieten.
Gut trainiert wie wir sind, liessen wir uns nicht davon abschrecken und suchten uns selbst ein schönes Hotel aus. Und was für eins. Der Luxus ist noch um eine Klasse gestiegen, jetzt haben wir sogar Gratis-Internet auf dem Zimmer.

Posted by kasa 03:29 Archived in Vietnam Tagged backpacking

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